Rückmeldung
Da es seit längerer Zeit still geworden ist um mich und meinen Kuschel-Wohlfühllästerblog, hier die fulminante Rückmeldung und zwar mit einer Anekdote, die sich so oder so ähnlich vor einigen Wochen in der Mensa zugetragen hat. Agierende Personen sind meine Wenigkeit (angehende Historikerin), eine Kommilitonin (angehende Germanistin) und einige mehr oder minder unbeteiligte Zuhörer. Besagtes Publikum setzt sich aus BWL’ern, Pharmazeutikern und noch anderen, die ich vergessen habe zusammen. Zunächst geht es um die zu dem Zeitpunkt noch anstehende Bundetagswahl:
Germanistin: Also ich gehe nicht wählen, wozu auch. Wirklich entscheiden können wir eh nichts, das tun doch andere für uns…0
Ich: Wir haben nun mal leider in Deutschland keine direkte Demokratie. Das hängt damit zusammen, das man das Volk wohl dran hindern will, nochmal “rechts abzubiegen”…
Germanistin (leicht empört): Bitte, das ist so lange her, das sollte eigentlich keine Bedeutung mehr haben, da haben wir ja nix mehr mit zu tun…
Ein paar Minuten später; besagte Kommilitonen spricht sich auf einmal leidenschaftlich für ein Verbot der zugegebenermaßen etwas zwielichtig auftretenden NPD aus. Ich halte dagegen, dass ich das für keine gute Idee halte.
Germanistin (ihr Ton nimmt bereits eine hysterische Klangfarbe an): Wie kannst Du bitte gegen ein NPD-Verbot sein nach allem, was passiert ist?????
Daraufhin habe ich ganz ruhig und sachlich versucht, ihr auseinanderzusetzen, dass
1. in einer Demokratie leider Gottes auch die etwas sagen dürfen, mit denen wir eher nicht im Sandkasten spielen wollen;
2. ein Verbot zumindest im Moment nicht vernünftig zu begründen und somit faschistoid wäre;
3. die NPD sowieso keine große Lobby hat, also keine primäre Gefahr von ihr ausgeht;
4. ein Verbot eine Sache mitunter noch verführerischer macht.
Dass die NPD so oder so wohl zu einem großen Prozentsatz aus V-Leuten des Verfassungsschutz besteht und somit wohl eigentlich eine Bundesinstitution ist, habe ich mir mal geklemmt zu erwähnen und ich glaube, das hätte das arme Mädchen auch gar nicht verstanden. Jedenfalls war sie für kein Argument mehr zugänglich, denn ich war längst Ziel ihres Hasses geworden.
Warum mich der kleine Zwischenfall noch immer beschäftigt? Ich finde es einfach faszinierend, wie gut diese Konditionierung noch immer funktioniert und das gerade bei gebildeten Menschen. Ich würde besagter Kommilitonin sehr gern ihre eigene Dummheit attestieren, aber ich glaube das wäre sowohl ungerecht als auch subjektiv. Immerhin hat sie ihr Abitur und es auch an die Uni geschafft. Andererseits – und das beobachte ich leider bei vielen Akademikern:
Man kann lernen, sich bilden, hat alle Möglichkeiten dazu. Aber kaum jemand ist bereit, seine grauen Zellen um eine gewisse Ecke zu lenken, statt immer nur geradeaus. Bei obigem Beispiel sieht man es wunderbar. Eigentlich ist man/frau unpolitisch und es geht ihm/ihr tierisch auf die Nerven, sich mit so etwas trockenem wie Politik zu beschäftigen. Hört man/frau jedoch irgendwas, was mit “rechts” zu tun hat, geht es gleich auf die Barrikaden, ohne sich voher mal Gedanken darüber zu machen, WAS man da eigentlich fordert. Nunja, eigentlich bleibt nur noch zu erwähnen, dass mich dieses Verhalten ein wenig an den Pawlowschen Hund erinnert, der anfängt zu sabbern, sobald er ein Glöckchen klingeln hört
Zur Wahl an sich möchte ich eigentlich nichts sagen, nur soviel: 